Sie wollen produktiver arbeiten? Mut zu Papier!

Wir leben in einer Zeit, in der ein Buchladen nach dem anderen schließen muss. Bibliotheken verleihen vermehrt E-Books. Verkaufsbestätigungen werden per E-Mail oder SMS verschickt und auch Bankauszüge gibt es elektronisch. Die Steuererklärung lässt sich online einreichen und unsere digitalen Kalender erinnern uns blinkend und ploppend an ausstehende Termine. Wo ist denn das gute alte Papier geblieben?

Schauen wir uns die Gegenstände mal an, die wir tagtäglich benutzen, um unsere Aufgaben zu erledigen. Was auffällt, ist, dass die Grenze zwischen digital und Papier in vielen Fällen verschwimmt.

Die grafische Benutzeroberfläche unserer Computer beziehen sich seit jeher auf physisch greifbare, altbekannte Gegenstände wie Schreibtisch, Dokumente, Agenda, Ordner und Papierkorb. Steve Jobs war ein überzeugter Befürworter dieses so genannten Skeuomorphic Design. Gebürstetes Metall, Filz- oder Holz-Optik sowie gelb liniertes Papier zieren die Software seiner Apple-Produkte. Sogar der Mac-Kalender wurde nach dem Vorbild der Ledernähte seines Privatjets gestaltet.

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Apple Skeumorphic Design

In den vergangenen Jahren haben Apple, Google und Microsoft das dem Skeuomorphic Design entgegengesetzte Flat Design öffentlich akzeptiert. Begründung: Die Metaphern aus der „echten Welt“ müssten durch etwas Neues abgelöst werden. Dennoch nennt die Firma Apple ihren neuen Eingabestift Pencil (Bleistift), das Äquivalent bei Microsoft heißt Pen (Kugelschreiber). Facebook, Dropbox und FiftyThree haben alle eine Paper-App (Papier).

Doch die Verschmelzung zwischen digital und analog geht weit über die Namensgebung hinaus. Evernote und OneNote bieten Apps mit Optical Character Recognition (optische Schriftzeichenerkennung). Das erlaubt Nutzern, handgeschriebene Zettel einzuscannen, die vom System wiedererkannt und bei der Textsuche entsprechend gefunden werden können.

Andererseits setzen Schreibwarenhändler ebenfalls alle Mittel in Bewegung, um ihren Platz in der digitalen Welt zu erobern:

  • Der Notizbuchhersteller Moleskine konzipierte gemeinsam mit Evernote ein Notebook, das handgeschriebene Zettel mithilfe von Aufklebern automatisch ablegt.
  • Whitelines hat Produkte mit hellgrauem Papier und weißen Linien im Angebot, die beim Scannen verschwinden. So bleibt nur der Text oder das Bild letzten Endes ersichtlich.
  • Livescribe produziert Stifte, die wie normale Kugelschreiber funktionieren – mit einem feinen Unterschied: Die Schreibbewegungen werden digital erfasst und gespeichert.
  • Bei Mod Notebooks haben Sie sogar die Möglichkeit, ihr gesamtes handgeschriebenes Notizbuch einscannen und digitalisieren zu lassen.

Im letzten Jahrhundert wehrte man sich vehement gegen Fernseher, Kühlschränke, vertonte Filme, Autos und sogar die Baumwollentkörnungsmaschine. Doch früher oder später lösten alle genannten Technologien Ihre Vorgänger komplett ab. Warum also sollte Papier in der heutigen Zeit der Produktivitäts-Tools überhaupt noch Bestand haben?

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Igor ist Entwickler bei Todoist und selbsternannter Paper guy, ein Papier-Liebhaber also. „Digital zu arbeiten, hat unbestritten viele Vorteile. Doch die Erfahrung – und die Wissenschaft – haben gezeigt, dass wir mit Stift und Papier um ein Vielfaches produktiver arbeiten als digital.

Die Autorin und kognitive Wissenschaftlerin Maryanne Wolf bringt es auf den Punkt: „Ich würde am liebsten alle bewährten Methoden erhalten. Aber ich weiß genau, wann ich die neuen einsetzen muss.“

Wie können wir Papier und digitale Werkzeuge in einer Weise zusammenführen, sodass wir aus beiden Medien das Beste rausholen? Ein Thema, mit dem ich mich schon seit Längerem befasse.

In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, wie ich Papier und digitale Medien nutze und nahtlos in meinen persönlichen Arbeitsablauf integriere. Zuallererst werde ich die Vorteile und Nachteile beider Medien miteinander vergleichen.

Die Vorteile von Papier

Papier ist etwas Selbstverständliches. So selbstverständlich, dass wir oft vergessen, um was für ein wertvolles Produkt es sich eigentlich handelt. Nach Tausenden von Jahren gleitet es wie naturgegeben durch unsere Finger, es war schon immer da und ist nicht wegzudenken. Der Verfasser von Getting Things Done (Wie ich die Dinge geregelt kriege) David Allen sagt: „Die einfachste Methode, den Kopf freizukriegen, ist mit Stift und Papier.“

Schnell und simpel

Papier erfordert weder Passwörter noch das Scannen von Fingerabdrücken. Kugelschreiber und Bleistifte müssen nicht aufgeladen werden. Handschriftliche Notizen können nicht abstürzen. Mit der Füllfeder kann augenblicklich geschrieben werden – 3G-Verbindung hin oder her. Notizhefte verlangen kein Kabel oder Netzteil. Für die Arbeit mit Papier braucht man sich nicht im Vorfeld mit einem System vertraut zu machen. Es gibt keine Tastenkombinationen und über die Formatierung bestimmt der Verfasser allein.

Eines dürfte klar sein: Kein einziges Quick-entry-System kann in Sachen Verfügbarkeit mit dem kleinen Notizbuch in der Jackentasche mithalten. Weder die Screen-off-memo-Option des Samsung Galaxy Note 5 noch das Quick Note des Surface Pro 4. Und kein virtueller Begleiter ist so vielseitig wie Papier. Kritzeln können Siri, Cortana und Google Now alle nicht. Von Alexa ganz zu schweigen.

Der Schriftsteller Patrick McLean sagt dazu: „Papier erfüllt genau eine Funktion. Es fängt die Markierungen, die ich mache, auf, damit ich sie mir zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu Gemüte führen kann“. In seinem sehr lesenswerten Artikel erklärt McLean, warum Papier viel langlebiger ist als die Ordner auf dem Computer:

Natürlich ist Papier vergänglich. Aber seine Vergänglichkeit ist vorhersagbar. Gespeicherte Daten gehen in den unerwartetsten Momenten tosend zu Grunde. Denken Sie an eine abstürzende Festplatte. Falls eine IT-Fachkraft Ihnen jemals garantiert, dass digitale Dateien 500 Jahre überdauern und nutzbar bleiben, glauben Sie ihr nicht. Es ist gelogen. Sie zweifeln an meinen Worten? Ich kann Ihnen zum Beweis einige Wordstar- und Appleworks-Dokumente per E-Mail zuschicken. Ich muss nur erst herausfinden, wie ich sie von meiner Floppy Disc herunterziehen kann. Hingegen kann ich jedoch jetzt sofort in das Nationalarchiv gehen, um mir die Magna Carta zu besorgen, die vor 793 Jahren von Hand verfasst wurde. Weder die veraltete Version noch das aktuelle Format kommen mir dabei in die Quere.

Die Notizbücher von Leuchtturm1917 klingeln nicht, wenn jemand anruft. Rhodia Spiralnotizblöcke vibrieren nicht, wenn jemand über Snapchat schreibt. In Midori-Agenden werden niemals Termine aufploppen, zu denen wir sowieso nicht gehen wollten.

Papier zwingt uns, eine Sache aufs Mal zu machen. Und das alleine hat zahlreiche Vorteile. Sogenanntes Single-tasking ermöglicht uns, schnell in einen angenehmen Arbeits-Modus, den Flow, zu geraten. Im Flow-Modus verbraucht das Gehirn weniger Energie (Glukose). Für Multitasking sind die meisten Menschen erwiesenermaßen sowieso nicht gemacht. Beim Multitasking springt unser Gehirn ruhelos zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her. Der Glukosevorrat im Gehirn wird dadurch rasend schnell erschöpft – und wir auch. Zudem steigt die Produktion der Stresshormone Cortisol und Adrenalin beim Multitasting an. Der sprunghaften Arbeitsweise wird sogar nachgesagt, dass sie den IQ senken soll.

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Artyom ist Entwickler bei Todoist. Er sagt: „Ich mache mit dem Notizblock alles Mögliche: Brainstorming, schematische Darstellungen oder mehrseitige Beschreibungen meiner Ideen. Manchmal kritzle ich einfach vor mich hin. Für mich ist es manchmal produktiver, weit weg vom Computer an allgemeinen Projektideen zu arbeiten.“

Von der Hand direkt in den Kopf

Mit der Hand zu schreiben, ist für das Lernen und Erinnern effektiver – das wissen wir mittlerweile. Die Mechanik der Handschrift stimuliert unser Gedächtnis in einer Weise, die per Eingabe am Computer nicht möglich ist. In ihrem Buch Write It Down, Make it Happen erklärt Henriette Anne Klauser:

Schreiben stimuliert das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem (ARAS), das wiederum der Großhirnrinde signalisiert: Wach auf! Konzentriere dich! Lass dir kein Detail entgehen! Wenn Sie Ihre Ziele aufschreiben, wird Ihr Gehirn alles dafür tun, Sie auf die relevanten Zeichen und Signale, die Sie dorthin führen, aufmerksam zu machen.

Drei in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlichte Studien ergaben, dass Studierende, die mit der Hand Notizen machten, bei kognitiven Fragen deutlich besser abschnitten als ihre Kommilitonen, die auf dem Laptop mitgeschrieben hatten. Die Wissenschaftler Pam Mueller und Daniel Oppenheimer kamen zum Schluss, dass:

Laptopnutzer transkribieren Informationen, anstatt sie direkt zu verarbeiten. Auf das Lernen kann sich das negativ auswirken.

Auf Bildschirme starren wir den ganzen Tag. Sie schädigen auf Dauer unsere Augen. Das wissen wir alle: Wer kennt schließlich nicht die juckenden roten Augen am Ende eines langen Arbeitstages. Obwohl Texte und Bilder statisch zu sein scheinen, flackern sie unaufhörlich vor unseren Augen – Tausende Male pro Minute.

Die Helligkeit und die Farbtemperatur von Bildschirmen können unseren Biorhythmus und unseren Schlaf stören. Ein aus dem Gleichgewicht geratener Biorhythmus führt zu Schlaflosigkeit. Auch wurde er mit Fettleibigkeit, Diabetes, Depressionen, bipolaren und anderen Störungen in Verbindung gebracht.

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Digital – die Vorteile

Auch die digitale Technologie bietet selbstverständlich eine Vielzahl Vorteile, die Papier nicht hat und niemals haben wird.

Automatisches Back-up

Digitale Dateien können manipuliert werden und veralten. Doch auch Papier ist vor Schäden nicht geschützt. Ein einziges Streichholz, das im Papierkorb landet, lässt in Windeseile ganze Bücheregale und Bibliotheken in Rauch aufgehen. Zu oft werden Ordner auf Autodächern liegen gelassen (meinem Freund, ein Filmemacher, passierte das vor einigen Jahren in einem Moment der gedanklichen Abwesenheit). Leider lassen sich solche Unfälle nicht immer vermeiden. Wer handgeschriebene Blätter liegen lässt, verliert damit sämtliche darauf festgehaltenen Informationen. Digitale Technologie bietet diesbezüglich mehr Sicherheit. Zum Beispiel in Form von Back-ups auf einer Cloud. Wer sein iPhone ins Klo fallen lässt, weiß, dass er damit lediglich das Gerät beschädigt, nicht die Daten.

Immer und überall Daten

Durch die Cloud sind unsere Informationen allgegenwärtig. Wer sein iPad oder SurfaceBook zuHause vergisst, kann dennoch über einen anderen Computer auf seine Dokumente, Daten und E-Mails zugreifen. Jeder Browser mit Internetverbindung erlaubt uns den Zugriff auf Informationen, die vorher auf Box, Drive, Dropbox, Evernote, SkyDrive, iCloud oder OneNote gespeichert wurden – ganz egal, wo wir uns gerade befinden.

Organisieren und reorganisieren

Mithilfe digitaler Technologien können wir relevante Informationen bündeln, an einem Ort sammeln und einfach zugänglich machen. Anbieter wie Todoist erlauben uns, das Material noch weiter zu ordnen, indem wir es in Jobs und Tasks einteilen.

Wer digital arbeitet, hat eine enorme Flexibilität. Das Reorganisieren von Dateien und Daten erfolgt laufend und den Umständen entsprechend. Ergänzen und Löschen ist auf Papier nicht ganz so einfach wie bei einer digitalen Datei. Wollte man bei Papier die gleichen Änderungen durchführen, müsste man schneiden, kleben, abheften – und neu schreiben.

Unsere für den brasilianischen Markt zuständige Mitarbeiterin Clarissa hat ihre ganz eigene Arbeitsweise: „Ich mache täglich von Todoist und Google Calendar Gebrauch. Aber trotzdem sind Papier und Stift mir lieber. Ich arbeite kreativer, wenn ich nicht vor dem Bildschirm sitze.“
Unsere für den brasilianischen Markt zuständige Mitarbeiterin Clarissa hat ihre ganz eigene Arbeitsweise: „Ich mache täglich von Todoist und Google Calendar Gebrauch. Aber trotzdem sind Papier und Stift mir lieber. Ich arbeite kreativer, wenn ich nicht vor dem Bildschirm sitze.“

Sogar Leute, die mit Technik nur wenig am Hut haben, müssen zugeben, dass digitale Kalender die Kapazität einer herkömmlichen Agenda weit übertreffen. Jedes gewünschte Ereignis lässt sich in Google Calendar, iCal or Outlook speichern. Das erlaubt uns, den Termin erstmal aus unserem Arbeitsgedächtnis zu löschen – die Technik übernimmt.

Wie praktisch ist es, rechtzeitig daran erinnert zu werden, dass unser Freund Geburtstag hat oder dass die Konzertkarten ja sieben Monate im Voraus gekauft werden müssen. Dass unser herkömmliches Notizbuch uns mit vorgeschriebener Einkaufsliste warnt, sobald wir in der Nähe eines Lebensmittelgeschäfts sind, ist hingegen eher unwahrscheinlich.

Wer sucht, der findet

Der Autor Tim Ferriss sagt zu Recht: „Informationen sind nur dann nützlich, wenn man sie auch findet.“ Er bezieht sich mit dem Satz auf seine Vorliebe für Notizbücher aus Papier. Doch ich finde, er lässt sich hervorragend auf die digitale Suche anwenden. Egal, wie gut wir unsere Notebooks anhand von Tabellen, Ordnern und Verzeichnissen organisieren – eine einfache Stichwortsuche bewährt sich am Ende doch am meisten.

Die digitale Suche hat jede Menge auf dem Kasten: Sie ist ausdauernd genug, um ganze Accounts zu durchforsten. In Windeseile ist das gewünschte Foto oder Dokument gefunden. Die Geschwindigkeit und Genauigkeit moderner Suchfunktionen sind erstaunlich. Sie lassen Papierliebhaber im Regen stehen – oder auch vor dem Bücherregal, auf der Suche nach dem einen Notizbuch, in dem die erforderlichen Informationen enthalten sind.

Teilen, teilen, teilen

Viele – wenn nicht sogar alle – Online-Dienste bieten uns die Möglichkeit, in Echtzeit mit unseren Kollegen zusammenzuarbeiten. So können Mitarbeiter aus Peru, Taiwan und Portugal gleichzeitig an ein und demselben Dokument arbeiten. Dabei können wir Notizen machen, Kommentare einfügen und sehen sämtliche Fortschritte auf einen Blick. Das bedeutet nicht nur eine massive Zeitersparnis, sondern sorgt gleichzeitig für Klarheit und Übersichtlichkeit. Auf Papier kommt eine ähnliche Form der Zusammenarbeit lediglich dann zustande, wenn alle Beteiligten sich im selben Raum aufhalten.

 Zwischen analog und digital – die Medium-Methode

Nach langem Herumprobieren habe ich für mich einen Workflow entwickelt, bei dem die Vorteile analogen und digitalen Arbeitens verschmelzen. In diesem Artikel werde ich meine Arbeitsweise die Medium-Methode nennen. Sicherlich hat sie nicht die gleichen Auswirkungen wie die von uns beschriebenen Techniken Kanban, Eating Live Frogs oder Pomodoro. Aber es ist eine einfache Art, digital zu arbeiten und gleichzeitig die vielen Vorzüge von Papier in Ihren Workflow einfließen zu lassen.

Was Sie dafür benötigen:

  • 1 Haupt-Notizbuch
  • 1 Reise-Notizbuch
  • Post-its
  • 1 Kugelschreiber oder Bleistift
  • Eine Task-Management-App (ich benutze Todoist)
  • Eine Notiz-App (ich verwende OneNote)
  • Ein Online-Kalender

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Ihr Haupt-Notizbuch

Das ganze System dreht sich um ein Notizbuch aus Papier. Wählen Sie Ihren Favoriten. Ich gebe gebundenen Notizbüchern den Vorzug, weil sie länger halten. Im Moment benutze ich eins der Marke Midori. Jedoch wechsle ich immer mal wieder – die Suche nach dem einen richtigen Notizbuch ist in meinem Fall viel zu zeitintensiv und ich versuche, diese Falle wenn möglich zu vermeiden. Zudem gilt: Der Inhalt, mit dem Sie das Notizbuch füllen, ist unersetzbar, heilig – nicht das Buch an sich.

Im Laufe des Tages arbeite ich immer wieder in diesem Notizbuch. Es liegt aufgeschlagen auf meinem Schreibtisch, ständig bereit, alles Mögliche in sich aufzunehmen: Aufgaben, Ereignisse, Strichmännchen, Notizen und Skizzen. Alles, was mir auffällt und gefällt, wird reingeschrieben.

Dabei halte ich mich weder streng an ein Format, noch an gewisse Symbole. Obwohl ich vorgefertigte Notizbücher wie The Action Method und Emergent Task äußerst ansprechend finde, schätze ich die Freiheit, meine Inhalte jederzeit anpassen zu können. Jeder Tag ist anders – und jeder Tag verlangt nach einem eigenen Format. Das einzige, was ich jeden Tag gleich mache, ist, die jeweilige Seite per Stempel mit dem aktuellen Datum zu versehen. Danach lasse ich meinen Gedanken freien Lauf, bis es Abend ist und ich das Buch zufrieden zuklappe. Einen strukturierten Ansatz, wie Sie Ihr Notizbuch organisieren können, finden Sie bei meiner Todoist-Kollegin Belle Beth Cooper (Stichwort: auflisten und durchstreichen).

Ihr Reise-Notizbuch

Sie merken es schon: Das Haupt-Notizbuch ist von größter Bedeutung. Ich will es unter keinen Umständen verlieren. Andererseits ist es groß und sperrig, sodass ich es nicht immer mitnehmen kann, wenn ich das Haus verlasse. Zu diesem Zweck führe ich parallel dazu ein kleineres Notizheft, das genau in meine Hosentasche passt. Zurzeit besitze ich eines von Midori – aber jedes andere tut es auch.

Das Reise-Notizbuch hilft mir, unterwegs wichtige Dinge festzuhalten. Midori gefällt mir, weil der Ledereinband das Papier schützt und weil das Gummiband sich prima dazu eignet, einen praktischen Kugelschreiber daran zu befestigen – auch wenn ich Kugelschreiber eigentlich nicht so mag.

Immer wenn ich an meinen Schreibtisch zurückkehre, kopiere ich die Notizen aus dem Reise-Notizbuch in mein Haupt-Notizbuch. Für das System ist dieser Schritt nicht zwingend notwendig, aber er hilft mir dabei, mich wieder darauf zu besinnen, woran ich gerade arbeite. Außerdem mag ich es, sämtliche Notizen auf einen Blick lesen zu können. So kann ich mich auch Jahre später noch an Gedanken, Konzepte, Bücher und Filme erinnern. Nehme ich eines meiner alten Notizbücher zur Hand, gibt mir das ein warmes, erfülltes und dankbares Gefühl.

Allabendliche Gedanken

Am Ende eines jeden Tages gehe ich meine Notizen durch und fange an, die neuen Informationen zu verarbeiten. Ereignisse, die in der Zukunft liegen, trage ich in meinen Online-Kalender ein. Alle erledigten Aufgaben entnehme ich meinen täglichen Post-its (mehr dazu später) und markiere sie in Todoist. Auch neue Aufgaben stelle ich in Todoist, mitsamt den entsprechenden Terminen, Notizen und Tags. Anschließend prüfe ich meinen Online-Kalender, um zu sehen, was am nächsten Tag auf dem Programm steht. Den drei wichtigsten Aufgaben aus Todoist widme ich besondere Aufmerksamkeit.

Jeden Tag ein Post-it

Warum ich so gerne mit Post-its arbeite? Ganz einfach: Sie sind kaum zu übersehen. Ich klebe das Post-it-des-Tages mitten auf eine frische Seite meines Notizbuchs. So bin ich gezwungen, den ganzen Tag daran zu denken. Ist das Anliegen besonders dringend, klebe ich das Post-it ganz einfach auf meinen Computer-Bildschirm. Verlasse ich meinen Schreibtisch, wandert die kleine gelbe Notiz wie von selbst in mein Reise-Notizbuch. Der begrenzte Platz auf dem Post-it erfordert Fokus – Konzentration auf das Wesentlichste.

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Jedem Post-it liegt ein Zauber inne

Zu oft werden wir während des Arbeitens durch neu eintreffende Impulse von unseren Hauptzielen abgelenkt. Mit der Medium-Methode ist es schwieriger, die Konzentration zu verlieren. Auf mein Post-it passt einfach kein weiterer Punkt. Will ich meinem Tagesplan eine Aufgabe zufügen, mache ich das ganz bewusst. Ich habe auch die Wahl, die neue Aufgabe auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Dann schreibe ich ihn schnell erst in mein Haupt-Notizbuch, abends trage ich ihn dann in Todoist ein.

Ein weiterer Vorteil des Post-its: Eine komplettes To-do durchstreichen zu können, ist aus psychologischer Sicht enorm befriedigend. Wenn ich am Ende des Tages alle drei Hauptaufgaben erledigt habe, zerknülle ich das Post-it und spicke es in den Papierkorb. Habe ich nicht alles geschafft, begleitet mich der kleine gelbe Zettel noch einen weiteren Tag. Aber ganz ehrlich: Zwei Post-its an einem Tag berücksichtigen zu müssen, ist richtig, richtig ärgerlich. Bitte unbedingt vermeiden!

Langzeitspeicher

Als letzte Amtshandlung nach einem langen Tag kopiere ich alle meine Notizen in OneNote. Genauso gut eignen sich dafür Evernote oder Google Keep. Alles, was ich zu Filmen, Büchern oder Musik niedergeschrieben oder gesammelt habe, kommen in den digitalen Ordner Commonplace (Allerlei). So kann ich neue Notizen nach Wunsch mit älteren Informationen verknüpfen, sollte sich ein Zusammenhang ergeben.

In OneNote führe ich ein weiteres Notizbuch, mein Journal (Tagebuch). Wie der Name schon sagt, lege ich alle wichtigen Ereignisse des Tages in diesen Ordner. Lustigerweise ist es lediglich nach Tagen und Monaten aufgeteilt, nicht aber nach Jahren. So sehe ich zum Beispiel am 4. Dezember 2015 in einem Augenaufschlag, was ich am gleichen Tag des Jahres 2014 oder 2013 notiert habe.

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Das Wichtigste an diesem Prozess? Er erlaubt mir, nach vergangenen Ereignissen zu suchen. Bei der Optimierung von Produktivitätsprozessen wird nur selten an Vergangenes gedacht. Wäre es nicht trotzdem nützlich, mit ein paar Klicks Zugriff auf diese Informationen zu erhalten? Wäre es nicht schön, zu wissen, an welchem Tag ein gewisses Meeting stattgefunden hat? Wie die eine Person von der letzten Networking-Veranstaltung hieß? Welches schweizerische Restaurant es war, in dem wir beim Business-Trip 2014 so köstlich gegessen haben? Wann der Laptop gekauft wurde und wie lange die Garantie noch läuft?

Diese abendlichen Erinnerungsrunden eignen sich vor allem auch für Social Media. Hatte ich gestern einen lustigen Gedanken? Warum nicht gleich morgen auf Twitter verwenden? Skizzen und Zeichnungen vom Vortag? Schnell auf Instagram hochladen. Welche Passage aus dem Buch, das ich gerade lese, fand ich am bemerkenswertesten? Möglicherweise eine gute Grundlage für meine nächste Snapchat-Story.

Alles doppelt: den Lernprozess unterstützen

Erscheint Ihnen mein Hybrid-Workflow unnötig kompliziert? Kann ich verstehen. Aber ich versichere Ihnen: In der Praxis gestaltet er sich vollkommen intuitiv. Die beiden Arbeitsweisen (anlog und digital) befruchten einander gegenseitig – und minimieren Fehlerquellen.

Etwas auf Papier zu notieren, geht schneller und ist natürlicher, als gleich die richtige App parat zu haben oder den Computer hochzufahren. Außerdem wird Ihre Aufmerksamkeit nicht durch E-Mails oder SMS abgelenkt. Ein Post-it ist immer und überall sichtbar, während eine App oder eine andere Anwendung erst noch geöffnet oder gestartet werden muss.

Auf der anderen Seite ist es einfacher, Informationen auf einem Computer zu suchen, als sich durch seitenlange Notizbücher zu blättern. Über Veranstaltungen und Termine bleibt man mithilfe von Google Kalender oder Todoist automatisch auf dem Laufenden. Das Notizbuch erfordert langes Suchen und Stöbern nach einst niedergeschriebenen Anmerkungen. Auch die Zusammenarbeit mit Kollegen ist durch E-Mail-Anhänge und eingefügte Kommentarfunktionen leichter denn je. Niemand verlangt von Ihnen, Ihre Notizen zu kopieren. Und Ihre kunstvolle – und unleserliche – Handschrift braucht von keinem Zweiten entziffert zu werden.

Den Tag am Abend Revue passieren zu lassen ist aufwändig? Das Gegenteil ist wahr. Ich benötige lediglich 15 bis 30 Minuten dafür. Währenddessen werden die Informationen in meinem Gedächtnis aufgefrischt und im Langzeitspeicher meines Gehirns abgelegt.

Dr. Robert Bjork nennt diesen Prozess Desirable Difficulty, also eine geplante, erwünschte Schwierigkeit: Der Vorgang des Kopierens, der als langwierig empfunden werden kann, hat einen äußerst positiven Effekt. Er ermöglicht unserem Gehirn, verschiedene Informationen miteinander zu verknüpfen:

„Wir kodieren und speichern neue Informationen, indem wir sie mit Informationen, die in unserer Erinnerung bereits vorhanden sind, verbinden.“

Auf der Theorie der erwünschten Schwierigkeit bei Bjork beruht auch meine Medium-Methode. Nicht nur machen wir uns dabei die Vorteile von sowohl Papier als auch digitalen Medien zunutze; die Technik sorgt außerdem dafür, dass wir unsere Gehirnkapazität optimal anwenden. Das führt zu besseren, tiefergreifenden Lernerfahrungen und erhöhter Kreativität.

Für mich ist die Medium-Methode viel mehr als ein bloßes Produktivitätssystem. Es hilft mir, mich zu organisieren, mich weiterzubilden und es erhöht zudem meine Lebensqualität um ein Vielfaches. Seit ich es anwende, fühle ich mich seltener gestresst und schlafe deutlich besser. Durch die Medium-Methode bin ich glücklicher und zufriedener mit meinem Arbeitsleben – aber auch privat.

Haben Sie bereits mit einem (eigenen) Produktivitätssystem gearbeitet, bei dem analoge und digitale Medien Hand in Hand gehen? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir in den Kommentaren von Ihren Erfahrungen berichten!

Über den Autor: Chad Hall ist selbsternannter Schriftsteller / Künstler / Bücherwurm / Produktivitätsfreak / Einsiedler. Er lebt in der Umgebung von San Francisco, wo er als freier Marketing-Berater arbeitet. Zurzeit ist er dabei, seinen allerersten Roman zu verfassen. Auch hat er im Sinn, einen YouTube-Vlog ins Leben zu rufen. Gerne können Sie sich auf Twitter, Instagram & Snapchat unter @therealchadhall mit ihm in Verbindung setzen.

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