Zehn Dinge, die unser Gehirn wirklich verändern

Lange ging man davon aus, dass Intelligenz angeboren ist. Einige Menschen haben mehr davon, einige weniger. Mit dem Gehirn, mit dem wir geboren wurden, müssen wir ein Leben lang leben. Doch von dieser Annahme könnte die Wahrheit nicht weit genug entfernt sein.

Neue und bessere Technologien in der Neurowissenschaft ermöglichen uns ein immer besseres Verständnis dieser mysteriösen grauen Masse in unserem Kopf. So weiß man heute, dass unser Gehirn überraschend dynamisch ist. Unser tägliches Tun hat einen direkten Einfluss auf die Struktur und Chemie unseres Gehirns. Hier sind zehn Dinge, die unser Gehirn auf jeden Fall verändern…

  1. Bewegung

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Natürlich ist Bewegung gut für uns und unseren Körper. Doch es geht nicht nur um einen gesünderen Körper. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass Bewegung auch einen direkten Einfluss auf unser Gehirn hat. Zum Beispiel auf die „Plastizität“ des Gehirns – gemäß einer Studie, die an der Universität Adelaide in Australien durchgeführt wurde, beeinflusst Bewegung das Erinnerungsvermögen, unsere motorischen Fähigkeiten und die Lernfähigkeit. Die Probanden der Studie im Alter von 20 und 30 Jahren wiesen nach intensiver sportlicher Betätigung eine bedeutend höhere Plastizität auf.

Wenn das noch nicht genug Motivation ist, um sich gleich die Laufschuhe anzuziehen und ein paar Runden im nächsten Park zu drehen, hilft vielleicht die Tatsache, dass Bewegung in unseren Gehirnen zu chemischen Vorgängen führt, die uns erwiesenermaßen glücklich machen. Der Mitbegründer von Buffer, Leo Widrich, erklärt, dass Endorphine und der sogenannte Wachstumsfaktor BDNF durch Bewegung freigesetzt werden. Dadurch reduziert sich unser Stressempfinden und die Zufriedenheit wird gesteigert. Endorphine sind nicht umsonst bekannt dafür, dass sie für euphorische Zustände zuständig sind; das würde wiederum erklären, warum manche Menschen regelrecht abhängig von Bewegung werden.

Kurzum, Bewegung macht uns sowohl smarter als auch glücklicher. Was gibt es schon dagegen einzuwenden!

  1. Schlaf

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Schlaf ist eine der wichtigsten Aktivitäten überhaupt. Warum genau, kann auch die Wissenschaft noch nicht voll und ganz erklären. Wir wissen, dass Schlaf die körperliche und geistige Regeneration fördert, dass ihn jeder braucht, dass alle Menschen schlafen und dass ein Mangel davon gar nicht gut für uns ist. Aber auch Wissenschaftler rätseln immer noch, warum wir eigentlich schlafen. Es geht sicher nicht nur darum, Energie einzusparen; tatsächlich werden bei einem achtstündigen Schlaf nur etwa 50 Kilokalorien eingespart. Und trotzdem – und das kennen wir alle – wenn wir zu wenig geschlafen haben, schlägt uns das auf die Laune. Auch das Erinnerungsvermögen und das Sprachzentrum können gestört werden oder es kommt im schlimmsten Fall sogar zu Schäden am Gehirn.

Was passiert also, wenn man schläft? Im Schlaf arbeitet das Gehirn weiter. Carolyn Gregoire von der Huffington Post erklärt, dass während wir schlafen, unser Gehirn sehr wohl sehr aktiv ist: es ordnet, verbindet und archiviert Erinnerungen, gleichzeitig werden toxische Stoffe abgebaut. Das ist nicht nur dann möglich, wenn nachts in unserem Bett acht Stunden schlafen. Auch ein Nickerchen am Nachmittag kann uns einen Energieschub verleihen, der einer oder zwei Tassen Kaffee gleichkommt. Danach verdoppelt sich die Aufnahmefähigkeit und man ist kreativer.

Mit anderen Worten, wenn man sich mal nicht auf der Höhe fühlt bei der Arbeit oder die Inspiration fehlt, ist eine der effektivsten Tätigkeiten, sich eine ruhige Ecke zu suchen und sich eine Runde auszuruhen. Geben Sie einfach nicht uns die Schuld, falls Ihr Chef das anders sieht ;-)

  1. Meditation

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Meditation hat eine lange Tradition und hilft Menschen seit jeher dabei, emotionales Gleichgewicht zu finden. Aber nicht nur das. Es verändert das Gehirn. Rebecca Gladding hat den physikalischen Vorgang in einem Artikel in der Psychology Today erklärt. Meditiert man nicht regelmäßig, sind die Verbindungen im ventro-medialen präfrontalen Cortex sehr ausgeprägt; diesen Teil des Gehirns bezeichnet Gladding auch als das „Egozentrum“ des Gehirns. Aus diesem Grund wird z.B. Angst als persönliches Problem wahrgenommen, das in engster Verbindung mit einem selbst steht. Man ist eher dazu geneigt, immer wieder um die gleichen negativen Gedanken zu kreisen und über Fehler aus der Vergangenheit oder darüber, was andere Menschen über einem denken zu grübeln. Dagegen weisen Menschen, die häufig meditieren, eine schwächere Verbindung mit diesem „Egozentrum“ des Gehirns aus, vielmehr wird die Verbindung mit dem lateralen präfrontalen Cortex, das man auch als „Assessment Center” des Gehirns bezeichnen könnte. Dadurch nehmen Menschen, die häufig meditieren, Probleme oft weniger persönlich und gehen diese eher rational an.

Meditation hilft uns also, besser mit Ängsten, Stress und potentiell gefährlichen Situationen umzugehen. Außerdem helfen uns die durch Meditation geschaffenen neuen Verbindungen im Gehirn dabei, Empathie und Mitgefühl zu empfinden, besonders für Menschen, die ganz anders sind als wir, bestätigt Gladding. Jeden Tag 15 Minuten in Stille zu sitzen und sich auf den Moment zu konzentrieren, hilft uns, Stress zu reduzieren und d ein besserer Mensch zu werden.

  1. Kaffee trinken

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Schon seit Jahrhunderten lebt das Kaffeeritual: Vom Pflücken der Kaffeekirsche, dem Rösten und Mahlen der Kaffeebohnen und der Zubereitung eines Getränks, das uns einen kleinen aber effizienten Energieschub verleiht. Manche Leute schaffen es morgens gar nicht erst aus dem Bett, wenn sie sich nicht einer Tasse Kaffee sicher sein können. Aber was genau macht der Kaffee mit unserem Gehirn? In einem Beitrag letzten November habe ich die faszinierende Wissenschaft des Kaffee-Trinkens erklärt. Unser Gehirn produziert ab dem Moment, in dem wir aufwachen bis wir uns wieder zum Schlafen hinlegen, den chemischen Stoff Adenosin. Es verbindet sich mit den Adenosin-Rezeptoren im Gehirn, was zu Müdigkeit führt und uns einschlafen lässt.

Wenn das Koffein in unser Blut gerät und seinen Weg ins Gehirn findet, blockiert es diese Rezeptoren. Deshalb empfinden wir nach dem Konsum von Kaffee einen Energieschub, die Aufmerksamkeit wird erhöht, man ist wacher, erinnert sich besser an Details und kann besser und klarer denken, sich besser konzentrieren und auch die Reaktionszeit wird verkürzt. Mit der Zeit entwickelt das Gehirn jedoch der „Droge“ Kaffee gegenüber eine gewisse Resistenz. So ist es möglich, dass regelmäßige Kaffeetrinker dann Entzugserscheinungen erleben wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gereiztheit. Zusammenfassend lässt sich behaupten, dass Kaffee, oder eigentlich das darin enthaltene Koffein, tatsächlich eine direkten Einfluss auf die chemischen Prozesse in unserem Gehirn hat. Kaffee gibt einem morgens sicherlich den nötigen Energieschub, um in die Gänge zu kommen. Aber wie mit allem, genießt man auch den Kaffee am besten in Maßen. Doch um wirklich Schaden davon zu tragen, wäre eine Unmenge von Kaffee nötig, daher also keine Sorge!

  1. Lesen

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Fühlen Sie sich auch manchmal ganz in den Bann einer Geschichte gezogen, als wären Sie selber der Protagonist in einer ganz anderen Welt? Eine an der Universität von Emory durchgeführte Studie belegt, dass die „Versenkung“ in einem Buch einen nachhaltigen Einfluss auf unser Gehirn hat.

Im Rahmen der Studie las eine Gruppe von 21 jungen Studenten an neun Abenden hintereinander jeweils 30 Seiten aus dem Roman Pompei von Robert Harris. Darauf folgte jeweils ein Quiz. Die Probanden wurden vor dem Experiment, nachdem sie den Roman gelesen hatten und jeden Morgen während der 19 Tagen per MRI untersucht. Die Scans zeigten erhöhte Verbindungen im linken temporalen Cortex, dem Ort, das mit dem Sprechzentrum in Verbindung gebracht wird, berichtet Julia Ryan von The Atlantic.

Außerdem hat die Studie gezeigt, dass die Leser sogenannte „verkörperte Semantik“ erlebten. Das heißt, dass die Probanden eine nur gedachte Handlung wie eine tatsächliche Handlung verarbeiteten. Wenn man zum Beispiel nur an Schwimmen denkt, löst das im Gehirn etwas Ähnliches aus wie wenn man tatsächlich schwimmen würde. Eine ziemlich coole Angelegenheit, finde ich!

  1. Musik hören

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Manche Menschen brauchen absolute Stille, wenn sie sich auf etwas konzentrieren müssen. Andere wiederum machen dazu Musik an. Auch dafür gibt es eine wissenschaftliche Erklärung, wie Ben Greenfield erklärt:

Wenn man sich die elektrischen Impulse des Gehirns über ein EEG anschaut, erkennt man sogenannte Hirnwellen-Muster. Man benutzt den Begriff „Welle“ aufgrund der wellenförmigen, zyklischen Bewegung. Wenn wir die Wellenfrequenz senken, sind wir in einem idealen Zustand, um neue Informationen aufzunehmen, komplexe Handlungen auszuführen, eine Sprache zu erlernen, komplexe Situationen zu analysieren und in einem Zustand zu kommen, der in Sportkreisen gerne als „The Zone“ bezeichnet wird; nämlich ein Zustand erhöhter Konzentration und Leistungsfähigkeit während sportlicher Wettkämpfe oder Aktivitäten. Das ist zu einem Teil den niedrigeren Hirnwellen geschuldet, und der damit einhergehenden Tatsache, dass das Gehirn sogenannte „Feel-Good-Hormone“ wie Endorphine, Noroendorphine und Dopamine ausschüttet.

Man kann sein Gehirn sogar in diesen Zustand zwingen: mit der richtigen Musik! Tatsächlich hat der Musikdienstleister focus@will sich mit führenden Neurowissenschaftlern zusammengetan, um ein Musikliste zusammenzustellen, die die Konzentration beim Lernen oder Arbeiten fördert. Tests der Firma haben gezeigt, dass die richtige Musik die Konzentration um 10-15 Prozent steigern kann und man bis zu 400 Prozent länger ohne Unterbrechung arbeiten kann.

  1. In der Natur spazieren gehen

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Man weiß, dass Zeit in der Natur zu verbringen für gute Laune sorgt, die Konzentration steigert und die Kreativität fördert. Eine vor kurzem erschienene Studie könnte uns dabei helfen zu verstehen, was für neurologische Prozesse dahinterstecken. Gregory Bratman, ein Absolvent der Universität Standford hat eine Studie entwickelt, die den Blutfluss zur sogenannten Area subgenualis beobachtet. Das ist jener Teil im Gehirn, in dem wir grübeln. Gretchen Reynolds erklärt zu diesem Thema in einem Artikel in der New York Times:

Die meisten von uns kennen das: wenn einem Gedanken nicht mehr loslassen und man in schon fast krankhaftes Grübeln verfällt über das Leben und was damit alles nicht stimmt. Das Nachdenken übers Scheitern ist nicht gut für uns und hilft uns auch gar nicht weiter. Es kann ein Vorzeichen für eine Depression sein. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sinnloses Grübeln bei Stadtmenschen häufiger auftritt als bei Menschen, die auf dem Land leben.

Im Rahmen der Studie ließ man einige Probanden entlang einer ruhigen, von Bäumen gesäumten Straße 90 Minuten spazieren gehen, andere taten das gleiche an einer viel befahrenen Straße. Erstere grübelten viel weniger, und weniger Blut floss in die Area subgenualis. Die Studie suggeriert also, dass Spaziergänge im Grünen wesentlich dazu beitragen können, uns zu glücklicheren Menschen zu machen.

  1. Multitasking

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Immer mehr Studien belegen, dass der Mensch nicht wirklich dazu fähig ist, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Tatsächlich ist es so, dass auch wenn wir meinen, Dinge gleichzeitig zu tun, wir jeweils einfach mit unserem Gehirn von einer Sache zur anderen springen; man hat nur das Gefühl, dass man zwei Dinge gleichzeitig tut. Aber da täuschen Sie sich! Tut uns leid, dass WIR Ihnen diese schlechte Nachricht überbringen. Falls Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Zeit mit zu vielen verschiedenen Dingen gleichzeitig verbringen, könnten Sie damit auch Ihre Gehirnstruktur verändern, aber leider nicht auf eine gute Art…

Clifford Nass, Professor für Kommunikation an der Universität Stanford, bestätigt, dass ständiges Multitasking die „Wege“ in unserem Gehirn verändert. Die Aufmerksamkeit lässt bedeutend nach und auch die emotionale Intelligenz nimmt ab. Zudem wird die Fähigkeit gemindert, Informationen zu verarbeiten, und auch die Kreativität wird eingeschränkt. Möglicherweise ist es an der Zeit, ein paar Browserfenster zu schließen und sich eine Weile von Twitter zu verabschieden. Hier sind 19 Tipps, wie sie netter zu Ihrem Gehirn sein und lernen können, sich anzugewöhnen, sich jeweils nur auf eine Sache zu konzentrieren.

  1. (Kein) Zucker essen

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Gemäß Natasa Janicic-Kahric von der Uniklinik Georgetown essen Amerikaner im Schnitt täglich fünf mal so viel Zucker wie eigentlich nötig. Das führt nicht nur zu Übergewicht und Diabetes sondern hat auch einen ziemlich beängstigenden Einfluss auf unser Gehirn. Eine an Ratten durchgeführten Studie an der Universität von Kalifornien hat gezeigt, dass der übermäßige Konsum von Zucker die Funktionsfähigkeit des Gehirns tatsächlich einschränken kann. Carolyn Gregoire von der Huffington Post berichtete dazu:

Der Konsum von Zucker in großen Mengen hat bei den Ratten eine Insulinresistenz bewirkt. Insulin ist ein Hormon, das den Zuckerspiegel im Blut sowie die Gehirnzellen-Funktion reguliert. Es stärkt die Synapsen-Verbindungen von Gehirnzellen, unterstützt die Kommunikation zwischen ihnen und stärkt das Erinnerungsvermögen. Wenn der Insulinspiegel im Gehirn sinkt, lassen auch unsere kognitiven Fähigkeiten nach.

Zucker ist also mit dafür verantwortlich, dass unsere Lernfähigkeit und unser Erinnerungsvermögen eingeschränkt wird. Möglicherweise kann dem Zucker auch eine Schuld im Hinblick auf neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz zugeschrieben werden.

Aber damit nicht genug. Man weiß, dass zu viel Zucker das Risiko für Depressionen erhöht. Zucker aktiviert das Launemacher-Hormon Serotonin in unserem Gehirn. Wenn dieses ständig überstimuliert wird, sinkt das Serotonin-Level und wir tendieren dazu, unsere Launen nicht mehr im Griff zu haben.

  1. An die Veränderung glauben

Am Ende muss man aber auch einfach an Veränderung glauben. Carol Dweck hat im bekannten TED Talk The Importance of Believing You Can Improve darüber gesprochen, was man mit der richtigen Einstellung alles bewirken kann.

Zusammengefasst war die wichtigste Kernaussage des Talks, dass Kinder, denen nach einem nicht bestandenen Test das Gefühl gegeben wird, dass sie nicht gescheitert sind, sondern dass sie es beim nächsten Mal schaffen können, viel lernwilliger sind als jene, denen ein Gefühl von Scheitern vermittelt wird.

Allein eine Wortwahl, die nicht das Scheitern in den Vordergrund stellt, sondern immer ein mögliches Wachstum suggeriert, gibt den Kindern mehr Selbstvertrauen und den Willen, sich weiterzuentwickeln – und das ein Leben lang. Diese Kinder sind motivierter, Neues zu lernen. Und das einfach, weil man an sie glaubte und sie auch Fehler machen ließ. Stellt man diese Kinder vor neue Herausforderungen, bilden die Neuronen der Gehirne neue Verbindungen, um die Kraft zu finden, auf eine Neues über sich hinaus zu wachsen.

Die Vorteile dieser Herangehensweise beschränkt sich nicht nur auf Kinder. Auch uns kann eine positive Einstellung wesentlich dabei unterstützen, über unsere Grenzen hinauszugehen und in unserem Gehirn neue positive Verbindungen zu schaffen – bis ins hohe Alter hinein. Ich weiss ja nicht wie es Ihnen geht, aber ich finde diesen Gedanken sehr beruhigend.

Über den Autor: Taylor Martin ist ein Macher. Er hat einen Youtube-Kanal, der sich neuesten Technologien, Do-it-Yourself-Projekten und Life Hacks widmet. Er produzierte auch jede Woche einen Podcast –Untethered – zu allen möglichen Themen. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @caspertek.

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